Archiv des Monats: März 2026

90 Jahre Bekennende Kirche in Krakow

Ein historischer Moment jährt sich zum 90. Mal: Am 25. März 1936 gründete sich die
„Bekennende Ev.-luth. Johannis-Gemeinde Krakow am See“. Es war ein Akt des geistlichen Widerstands, getragen von Menschen, die nicht bereit waren, ihre Überzeugungen dem NS-Regime unterzuordnen.

Der Konflikt, der zur Spaltung führte, eskalierte um den damaligen Pastor Karl Brose. Als Anhänger der „Deutschen Christen“ versuchte er, die NS-Ideologie in die Kanzel zu tragen. Das Fundament des christlichen Glaubens geriet ins Wanken. Historische Aufzeichnungen von
Gottlieb Buschke halten eine Gemeindeversammlung im Seehotel im Juli 1934 fest. Auf Buschkes Frage, ob wir einen Erlöser brauchen, antwortete Brose: „Ich brauche keinen. Ich werde ohne Erlöser selig. Wenn Sie es nicht schaffen, müssen wir annehmen, dass Sie ein Jude seien – und was wir mit den Juden machen, wissen Sie ja…“

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Das Altarbild unserer Stadtkirche von 1708 zeigt Christus, ausgestoßen von den Menschen, vor den Toren der Stadt. Diese Darstellung wurde Realität für die kleine Gruppe der Bekennenden Gemeinde. Karl Brose hatte Jesus – und jene, die an ihm festhielten – aus den vertrauten Räumen der Kirche hinausgestoßen.

Für die bekennende Gemeinde stand fest: Sie blieben lieber bei Jesus außerhalb der Kirche, als in der Kirche ohne ihn. Familie Buschke stellte der neuen Gemeinde ihr Wohnzimmer zur Verfügung. Auf den 18 Quadratmetern versammelten sich bis zu 40 Menschen.

Altar Kreuz

Eine besondere Rolle in der Bekennenden Gemeinde in Krakow spielte der Güstrower Unternehmer
Fritz Dettmann. Er war 1933 nach Krakow gezogen und hatte dort ein Sägewerk eröffnet. Auch in den Räumen seiner Fabrik fanden Gottesdienste statt. Dettmann verlor später unter der DDR-Diktatur seine Existenz und floh, Gottlieb Buschke blieb und hinterließ ein Vermächtnis der Treue.

Zehn Jahre lang waren die Mitglieder der Bekennenden Kirche die Ausgestoßenen.Für uns heuteist es eine Mahnung, dass die Kirche nicht aus Steinen besteht, sondern aus Menschen, die bereit sind, aus Liebe zu Jesus „vor die Tore“ der Stadt zu gehen. Die Worte aus dem Hebräerbrief, die für sie damals so lebendig wurden, klingen heute noch nach:

„Lasst uns zu ihm hinausgehen und die Verachtung mittragen, die ihn getroffen hat.“ (Hebräer 13,13).